Welpenprägung

Die Welpenprägung ist keine reine Spielstunde für Welpen. Hier wird den Hundebesitzern gezeigt, wie sie Befehle beibringen und wie wichtig Konsequenz ist. Üben müssen die Hundebesitzer zu Hause- ich kann nur einen Weg zeigen, wie es am besten funktionieren wird. Wir machen ein paar „Komm“- Übungen, viele Geräte und Alltagssituationen, ohne die Welpen zu überfordern. In der Regel haben die Kleinen 3 mal in einer Stunde Pause, um sich ausgiebig  auszutoben. Die Geräte aus dem Agility- wie die Wippe, der Steg, die Wand oder der Tunnel sind deshalb wichtig, weil die Hunde dadurch lernen, auch in  ungewöhnlichen Situationen dem Menschen zu vertrauen. Der Mensch muss sich dieses Vertrauen erst verdienen- und das lernt er nur, wenn er einen Weg gezeigt bekommt, wie man „hundisch“ im Alltag umsetzt.

Ich werde immer wieder gefragt, wie lange ein Hund bei den Welpen bleiben kann, wann und wie lange er in die Junghundegruppe passt. Dies kann ich nicht immer pauschal beantworten, da es   an der Größe, der Reife und nicht zuletzt auch an der Konsequenz und auch den Terminen der Halter liegt. Bei den Welpen zum Beispiel ist immer auch mal ein zweijähriger Hund dabei, der ausgesprochen behutsam mit den Welpen umgeht. Natürlich ist das Verhalten eines erwachsenen Hundes anders, als das eines Welpen, es schadet aber gar nicht, wenn auch die Kleinen sich mit einem Älteren auseinandersetzen müssen. Junghunde werden in der Regel sehr rüpelig und rücksichtslos. Das ist dann der Zeitpunkt, in die Junghundegruppe zu wechseln. Aber auch das hängt von der Rasse und der Größe ab. In der Junghundegruppe ist es dann nur noch eine Frage der Verträglichkeit, ob und wann ein Hund in eine Erziehungsgruppe ohne Freilauf wechselt. Denn in der Junghundegruppe (zumal, wenn die Hunde zusammen "gewachsen" sind), spielt das Alter kaum eine große Rolle. Manche Hunde sind auch mit Erreichen der Jugendlichkeit noch so verspielt, dass sie in der Junghundegruppe schlichtweg überfordert wären. Also können diese auch noch länger bei den Welpen bleiben. Daher kann die Begrenzung auf ein bestimmtes Alter nur ein Richtmaß sein und Sie können am Besten abschätzen, welche die beste Gruppe Sie und Ihren Hund  ist.

Dann möchte ich noch auf  mein neues Lexikon aufmerksam machen , welches ich jedem Hundebesitzer ans Herz legen will. Hier ein kleiner Auszug:

4. Überforderung des Welpen

 ...gehört zu den großen Gefahren, die sich beim Heranwachsenden einschleichen können. Der Welpe kann gar nichts. Er kennt Ihre Regeln, das Umfeld, und vor allem Sie nicht. Er muss alles lernen. Die ersten Tage ist Ihr Hund auf jeden Fall überfordert. Um so wichtiger sind jetzt schon Regeln, die er versteht, damit Sie dem Welpen Sicherheit geben können. Nichts ist angenehmer für einen Hund, als wenn er sein Umfeld berechnen kann. Dann geben Sie ihm die nötige Sicherheit, die er braucht. Auch im Alter von 5-6 Monaten kann Ihr Hund wenig, egal wie viel Sie ihm beigebracht, oder wie konsequent Sie sind. Welpen können viel lernen- und nie wieder ist das Beibringen von Begriffen so einfach wie in den ersten Monaten. Im Spiel und ohne Druck können Sie ihm Sitz, Patz, Fuß, Hand, Komm, Stubenreinheit, Bällchenspiel- im Prinzip allws beibringen, was sie von ihrem Hund erwarten und in ihrem Miteinander für Wichtig erachten. Allerdings ist er zu jung, um

...ruhig sitzen zu bleiben, wenn ein anderer Hund vorbeigeht

....auf Ihr "komm" zu hören, wenn er gerade mit anderen Hunden spielt

..."bei Fuß" ohne Leine zu gehen

In meinen Welpenstunden sage ich jedes Mal, um nach einer Spielsequenz wieder zu arbeiten : „Fangen Sie die Hunde wieder ein und leinen Sie sie an. “ Ich sage absichtlich nicht: „Rufen Sie ihren Hund“. Dies hat seinen Grund. Kleine Hunde, die spielen, hören nicht. Sie können rufen, schreien, drohen. Der Hund wird auch mit einem halben Jahr nicht kommen. Gehen Sie, wann immer es geht, zum spielenden Hund und holen ihn. Sie können auch weggehen und sich verstecken, aber rufen Sie ihn nicht. Leider funktioniert das Verstecken nur ein mal. Beim zweiten Versuch, sich für den Hund unsichtbar zu machen, hat der Kleine schon gelernt, dass Sie sowieso irgend wo hinter einem Busch sitzen.

Loben Sie eher in den Situationen, in denen er Kontakt zu ihnen sucht und aus dem Spiel auf Sie zu kommt. Generell dann anzuleinen und zu gehen, ist zwar manchmal nicht vermeidbar, die Regel sollte es nicht sein. Kam der Hund bis jetzt immer zuverlässig, und stellt von heute auf morgen seine Ohren auf Durchzug, kann es mehrere Gründe haben.

Sie werden viele Alltagssituationen erleben, in denen der Hund nicht das tut, was Sie wollen. Meistens liegt es daran, dass der Kleine Sie nicht versteht, dass er nichts mitbekommen hat, oder aber, dass er Sie ärgern will. Ist der Hund in der Pubertät, also je nach Rasse zwischen dem 6. und 9. Monat, wird er alles versuchen, um Sie herauszufordern. Er wird Sie mit jeder Faser und mit jeder Bewegung aus der Reserve locken wollen, um seine Grenzen neu zu stecken und Ihre Schwächen auszunutzen. Seien Sie auch hier geduldig und verlangen Sie nur das, von dem Sie glauben, es funktioniert. Je mehr Sie von dem Junghund in dieser Zeit fordern, desto mehr wird er gegen Sie arbeiten. Dagegen anzugehen ist anstrengend, nervenaufreibend und macht keinen Spaß.

Natürlich müssen Sie feste Grenzen stecken, und Einhaltung auch fordern, notfalls auch erzwingen. Auf jeden Fall- und gerade in dieser Zeit. Stecken Sie jedoch das Ziel zu hoch, wird der Hund Sie nicht verstehen und dies als Führungsschwäche Ihrerseits auslegen. Außerdem bekommen die Junghunde ganz schnell raus, womit man Sie richtig ärgern kann. In der nächsten Zeit sind Übertretungen von Verboten nie wieder so attraktiv.

Verlangen Sie jedoch eher zu wenig, und der Hund folgt Ihren Befehlen zügig und wird dafür belohnt, lernt er von Anfang an, dass es sich für ihn lohnt, eine Zusammenarbeit anzustreben.

Das wird nicht immer kappen, aber ist ein besserer Weg.

Ein Beispiel ist der Bereich, in dem der Hund sich aufhalten darf. Soll er nicht in bestimmte Zimmer, kann es nicht schaden, in der ersten Zeit ein Gitter vor die Tür zu tun. So lange, bis der Kleine Ihre Privatsphäre toleriert. Ist ein Kind im Krabbelalter im Haus, werden alle gefährlichen Alltagsgegenstände, Steckdosen, Blumenkübel etc. an einem sicheren Ort weit oben deponiert. Für einen Welpen gilt das Gleiche. Je mehr verbotene Sachen herumliegen, je mehr Sie hinter ihm her rennen müssen, um ihm dies und jenes zu verbieten, desto aufgeregter, nervöser, unsicherer und aufsässiger wird er werden. Das ist bei kleinen Kindern nicht anders. Über kurz oder lang lernt der Hund, dass er nur dann Sozialkontakt erhält, wenn er Ihre Einrichtung zerstört. In welche Richtung dann der Sozialkontakt geht, also ob „Gut“ oder „Böse“, ist dem Welpen- und vor allem dem Heranwachsenden- dann egal. Alles dreht sich um ihn, die ganze Familie ist in Aufregung.

Schränken Sie jedoch den Bereich des Hundes ein, machen diesen Bereich „hundesicher“ und er darf sich darin frei bewegen, ist das eine klare Regel, die der Hund versteht. Ein Knochen, etwas Stoff oder ähnliches, um seinen Kautrieb zu befriedigen, sinnvolle Spiele mit der ganzen Familie, und der Hund wird zufriedener sein.

Welpen- und Junghundbesitzer überfordern sehr häufig ihren Hund, gerade dann, wenn er ein halbes Jahr ist. Bis dahin war man stolz auf das, was der Hund schon gelernt hat. Er konnte Sitz und Platz, ist gekommen, wenn man ihn gerufen hat und hat sich gemeldet, sobald er mal musste.

Plötzlich scheint es, als habe der Kleine alles vergessen. Dann vergleiche ich die Hunde auch mal mit Grundschulkindern. Würden Sie Ihrem Kind sagen, es soll seine Rechenhausaufgaben machen, wenn Sie gerade in einem Spielzeugladen sind? Das klingt erst mal abstrus. Natürlich würden Sie dies nie von Ihrem Kind verlangen. Von Ihrem Hund verlangen die Besitzer aber ein „Sitz“, um ihn abzuleinen, wenn gerade ein Haufen Artgenossen miteinander spielen. Natürlich ist Konsequenz wichtig. Und wenn Sie den Befehl gesagt haben, müssen Sie diesen auch einfordern. Aber glauben Sie, der Hund bekommt mit, dass Sie ihn einmal ohne Befehl ableinen? Oder dass er beim nächsten mal weiss, dass Sie keinen Befehl gegeben haben? Das tut er mit Sicherheit nicht. Solche und vergleichbare Überlegungen sollten Sie immer mal wieder anstellen, um das eigene Handeln zu überdenken.

Es steht außer Frage, dass Sie konsequent sein müssen, gerade, wenn aus dem Welpen ein Junghund, oder Halbstarker geworden ist. In dieser Zeit ist es wichtig, die Grundlagen zu legen, dem Hund seine Stellung in der Familie klar zu machen. Die weiter unten angeführten Verhaltensregeln sind dabei sehr hilfreich. Aufbauend auf den Grenzen, die Sie Ihrem Hund stecken müssen, kann man so viel einfacher Befehle erteilen und die Einhaltung der Regeln einfordern.